Prolog und Route

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1. Tag:
Ankunft

2. Tag:
Red Rock Canyon State Park

3. Tag:
Mojave National Preserve

4. Tag:
Joshua Tree National Park

5. Tag:
Ghost Town Randsburg & Trona Pinnacles

6. Tag:
Fahrt nach Lone Pine & Alabama Hills

7. Tag:
Ghost Town Darwin & Death Valley

8. Tag:
Death Valley

9. Tag:
Death Valley und Fahrt nach Big Pine

10. Tag:
Mono Lake

11. Tag:
Bodie

12. Tag:
Ghost Towns Silverpeak, Gold Point & Goldfield

13. Tag:
Cathedral Gorge State Park & Rainbow Canyon

14. Tag:
Valley of Fire

15. Tag:
Valley of Fire & Las Vegas

16. Tag:
Las Vegas

17. Tag:
Las Vegas & Rückflug am nächsten Morgen

 

 

Desert, Rocks & Ghost Towns

Donnerstag, 27. April 2006

Heute wurde ich um 6 Uhr vom Wecker geweckt.
Nachdem ich angezogen war, tapste ich erst mal wie eine Süchtige zum Office, denn dort war das Objekt der Begierde: Kaffee. Während ich meine beiden Kaffeebecher leerte, packte ich meinen restlichen Kram zusammen.

Zum Frühstück fuhr ich natürlich wieder ins Carousel Café - warum was anderes testen, wenn ich was gefunden habe, wo es mir super gefällt? So wie ich es mitbekommen habe, war ich dort die einzige Touristin, alle anderen Gäste kamen aus dem Ort/der Gegend. Morgens beobachtete ich immer, wie die Leute im Blaumann oder anderen Arbeitsklamotten vor der Arbeit zum Frühstücken kamen, da wurde gar keine Bestellung mehr ausgesprochen, alles funktionierte per Blickkontakt. Also absolut kein Touri-Schuppen, sondern noch ein Familienbetrieb mit “Hausmannskost”.

Das Stadium, in welchem ich Eierspeisen nicht mehr sehen kann , war schon jetzt erreicht, daher bestellte ich mir nur Kaffee, O-Saft und Toast.

Um 7.30 Uhr war ich abfahrbereit und fuhr nach Yucca Valley. Dort füllte ich im Walmart meine Wasservorräte auf und stöberte noch ein bissl in den Regalen, wobei mir natürlich sofort ein Urlaubsmitbringsel für Tommy in die Hände fiel. Da in diesem Walmart leider keine Fertigsalate verkauft wurden, ich aber für mittags gerne eine Schale Obstsalat haben wollte, hielt ich dann noch bei Vons, wo ich dann auch fündig wurde.

Es waren ein paar Wolken am Himmel und es wehte ein sehr frischer Wind, so dass ich in meinem T-Shirt zu bibbern anfing und im Auto erst mal die Heizung andrehte.

Um 9.30 Uhr fuhr ich dann in Yucca Valley auf die 247 Richtung Lucerne Valley. Ich kam mir wie auf einer Achterbahn vor, denn die Straße erklomm erst sehr steil einen Berg um dann ebenso steil wieder nach unten zu führen. Und das gleich mehrmals hintereinander. Mir wurde direkt bissl flau im Magen.

In Lucerne Valley bog ich auf die 18 nach Victorville ab. Ursprünglich wollte ich mich dort auf die 395 durchschlagen aber dann entdeckte ich, dass dort die Route 66 nach Barstow verläuft. Da es mich interessierte, wie dieses Stück ist, entschied ich mich für den kleinen Umweg über den National Trails Highway, wie die Strecke heute genannt wird.

Was soll ich sagen? Eine ganz normale alte Straße, einige alte Relikte und noch viel mehr Verfall am Straßenrand, ab und zu ist “Route 66” auf die Straße gepinselt - das war´s auch schon. Schön zu fahren war es trotzdem, denn es war kaum jemand unterwegs, abgesehen von etlichen Bikern.

In Barstow tankte ich und fuhr dann über die 58 bis zum Abzweig auf die 395. Es war unheimlich diesig bzw. wolkig. Mein heutiges Ziel war Ridgecrest und eigentlich hatte ich noch einen kleinen Abstecher zum Red Rock Canyon State Park geplant. Aufgrund des fehlenden Sonnenscheins verwarf ich diesen Plan jedoch wieder und mich lockte auch die Ghost Town Red Mountain, die ebenfalls dort in der Nähe ist.

Der 395 führt direkt durch Red Mountain und die Verlockung schwand, da mir die Ghost Town nicht “ghostig” genug war. Ich würde es eher “trotz bewohnt verfällt es” nennen.

Also fuhr ich weiter. Nur ein kurzes Stück später sah ich ein Schild “Old Mining District Randsburg” und das weckte meine Neugierde. Also bin ich abgebogen und nach ein paar Meilen sah ich einen kleinen Ort, der sich an einen Berghang schmiegt. Ich tuckerte den Berg hinauf und war begeistert! Randsburg ist zwar auch “nur” eine Semi Ghost Town aber irgendwie nett


Natürlich sind auch hier viele der alten Häuser “verkitscht” auf noch älter gemacht und an den unpassendsten Stellen sind Werbeschilder angebracht, aber es gibt auch ein paar wirklich nette Häuschen.


Ich parkte Blazy und schlenderte die Hauptstraße entlang, um ein paar Bilder zu machen. Auf dem Rückweg sprach mich ein Mann an, der auf der Bank vor seinem Haus saß und wir unterhielten uns eine Weile. Dann machte ich mich aber aus dem Staub, denn ich wollte nicht den Rest meines Lebens als Ehefrau eines Bergmanns aus Randsburg verbringen

Es ging weiter nach Ridgecrest. Ich hatte mich vorher informiert, wo die Motelmeile ist und landete daher gleich an der richtigen Stelle. Kaum fuhr ich in den Ort rein, legte ich erst mal ne Vollbremsung hin: Ein Stopp-Schild - und dies direkt auf der Hauptstraße
Mit so was rechnet man ja gar nicht
Bei Hauptstraßen bin ich auf Ampeln fixiert und nicht auf Stopp-Schilder!
An der nächsten Querstraße wieder eins, und noch eins...
Erst mehr Richtung Ortsmitte bedient man sich der Ampeln.

So ein Stopp-Schild auf einer Hauptstraße ist schon lustig: Es sind ja meistens mehrere Autos unterwegs und man fährt also in einer Zweierreihe bis an die Haltelinie, wartet bis man dran ist und fährt dann. Und dies immer pro Auto. Ob da eine Ampel, die immer gleich einen ganzen Schwung durch lässt, nicht praktischer wäre?

Das Motel 6 lockte mich mit einem Preis von 31,95 $ an und ich konnte nicht widerstehen. Leider bekam ich nur ein Zimmer upstairs, d.h. ich durfte meinen ganzen Kram wieder die Treppe hoch transportieren Ich schnappte mir eine Ladung und schaffte sie hoch.

Das Zimmer war gut. Wahrscheinlich erst kürzlich renoviert: die Wände frisch gestrichen und nur eine Macke dran, der Teppichboden war noch nicht abgetreten, ein kleiner Tisch mit Stuhl war vorhanden und das Badezimmer hat mir so richtig gut gefallen. Eine nagelneue Eck-Dusch-Kabine, keine Gebrauchsspuren. Ebenso beim Waschtisch und dann überall neue Armaturen.

Dann machte ich mich auf den Weg zu den Trona Pinnacles. Im Ort zweigt die 178 ab und nach ca. 18 Meilen sah ich dann ein Hinweisschild zu den Trona Pinnacles. Von der 178 biegt man auf eine sieben Meilen lange Schotterstraße zu den Trona Pinnacles ab. Fast die ganze Zeit hat man das Ziel vor Augen.

Die Strecke ist unpaved und der Zustand war nicht vom besten! Das was ich im Internet über die Beschaffenheit der Piste gelesen habe, hat heute jedenfalls auf gar keinen Fall zugetroffen.

Anfangs nur hartes Washboard aber dann kamen tiefe Dellen und Schlaglöcher und wenn man da schnell reinrauscht, dann schreien die Stoßdämpfer garantiert aua. Teilweise waren so tiefe Furchen eingegraben, die habe ich lieber auch mit meinem hochbeinigen Blazy umfahren.

Auf keinen Fall mit der Cottonwood Canyon Road zu vergleichen. Mit einem normalen PKW wäre mir wahrscheinlich Angst und Bange gewesen, mit Blazy war es eine richtige Fun-Strecke. Endlich mal nicht nur fahren, sondern sich quasi auch bissl den optimalen Weg suchen müssen.

Und dann lag diese unwirkliche Landschaft direkt vor mir. Ich war begeistert! Obwohl der Himmel sehr bedeckt war, sah es klasse aus. Vielleicht trug das eher düstere Licht sogar noch dazu bei, denn so wirkte alles noch viel unwirklicher, irgendwie richtig dramatisch.

Trotzdem machte mir das Wetter ein paar Sorgen, denn über Trona hingen dicke, dunkle Wolken und ab und zu hörte man ein Donnergrollen. Hier von einem Gewitter überrascht werden - danke... Aber wenigstens die erste Gruppe wollte ich mir näher anschauen.

Kurz bevor man in das Tal hinunter fährt standen ein paar Autos und im Tal selber, bevor sich der Weg zwischen die Felsgruppen schlängelt, ebenfalls. Als ich näher kam sah ich den Grund: Fotoaufnahmen für irgendein Motorrad. Langsam, um das frisch polierte Teil nicht einzustauben, fuhr ich vorbei. Die ersten paar Meter war die Strecke sogar besser als auf dem Zufahrtsweg aber nur auf den ersten paar Metern. Dann kamen Dellen, steinige Passagen, sandige Stellen... Spätestens jetzt wäre meiner Meinung nach, mit einem normalen PKW Schluss gewesen. HC war auf jeden Fall erforderlich. Ich umrundete die erste Gruppe der Pinnacles und tauchte dann immer weiter in diese unwirkliche Welt ein.


Der Himmel sah noch viel weniger ansprechend aus und ich bin kein einheimischer Wetterfrosch, um solche Wolken hier einschätzen zu können. Also beeilen und schnell noch ein Stückchen weiter fahren, dass falls was vom Himmel fällt, ich wenigstens schon wieder auf der Zufahrtspiste bin.

Aber der Drang zum Sehen war noch stärker und so folgte die nächste Gruppe. Um dorthin zu gelangen musste man einen schmalen Weg sehr steil hoch fahren. Man konnte überhaupt nicht sehen, wie der Weg dann weiter verläuft. Also Augen zu, Anlauf nehmen und genau oben anhalten. Natürlich konnte ich da auch nix sehen, weil mir die Schnauze vom Auto die Sicht versperrte. Also einfach langsam runter fahren und hoffen - hat geholfen, es kam keine Kurve oder so, es ging geradeaus nach unten.


Es ist interessant, normalerweise versucht man ja immer, so nah wie möglich an die Felsen zu kommen. Aber ich finde, bei den Trona Pinnacles verhält es sich gerade umgekehrt. Für sich alleine wirken die Felsspitzen gar nicht so spektakulär, als Gruppe jedoch sind sie faszinierend.

Und so gondelte ich immer weiter im Labyrinth der Pisten rum. So langsam wurde mir mulmig, denn ich war dort ganz alleine unterwegs. Man kann sich zwar wohl nicht verfahren und ich wusste instinktiv auch die ganze Zeit, in welcher Richtung der Ausgangspunkt ist aber wenn man mal in das Gebiet eingetaucht ist und zurück blickt, dann hat man das Gefühl, sich schon sehr weit entfernt zu haben.


Und die dunklen Wolken waren noch näher gekommen...

Deshalb drehte ich vorsichtshalber um

Nach eineinhalb Sunden war ich wieder am Ausgangspunkt und dort ging´s nicht mehr weiter: Die Filmcrew hoffte noch immer auf besseres Wetter und hatte das Motorrad jetzt mitten im Weg in Positur gestellt und der ganze technische Schnickschnack stand drumherum. Aber die Jungs vertrauten meinem Fahrkönnen und ich schlich mit Blazy zwischendurch.

Ich überlegte noch eine ganze Weile, ob ich auch einfach da bleibe, so könnte ich versuchen, ein paar nette Bilder vom Sonnenuntergang zu machen und bräuchte dann nicht ganz alleine zurück fahren. Aber bei dem Zustand der Zufahrtsstrecke war ich nicht scharf drauf, diese im Restlicht zu bewältigen. Ich stritt noch eine ganze Weile mit mir selber rum und es siegte der Angsthase in mir.

Aus Interesse fuhr ich dann noch bis nach Trona - eine reine Industriestadt, die man nicht gesehen haben muss. Ich hielt lediglich am Postamt, weil dort ein Briefkasten stand und ich meine Postkarten entsorgen konnte.

Auf der Rückfahrt sah man dann die Pinnacles schon von der 178 aus und weil sich das Wetter gebessert hatte, leuchteten die Zacken so richtig deutlich. Nochmal lag ich im Klinsch mit mir selber: Das drohende Gewitter hatte sich verzogen aber die definitiv nach dem Sonnenuntergang einsetzende Dunkelheit würde sich garantiert nicht verziehen!

Also fuhr ich ohne weitere Abstecher zurück nach Ridgecrest und aß bei Denny´s einen Philly Melt - allerdings nur ein Drittel davon, die Portionen sind einfach viel zu groß! Um halb sieben war ich im Motel und überspielte die Bilder auf´s Notebook.

Oh Schreck: Mittendrin eine Fehlermeldung
Ein Gerät war nicht mehr vorhanden
Die Digi war aus
Schnell neue Batterien rein gemacht - wieder nix
Schweißausbruch...

Aber dann stellte ich fest, dass ich vor lauter Hektik eine leere und eine volle Batterie erwischt hatte: Zwei volle Batterien rein gemacht und alles funktionierte wieder

Bevor ich unter die Dusche bin, ging ich noch mal vor die Türe. Da stürmte es dermaßen, das war nicht mehr feierlich. Innerlich beglückwünschte ich mich zu dem Entschluss, nicht bei den Trona Pinnacles geblieben zu sein, denn bei dem Sturm war an Bilder garantiert nicht zu denken, so viel Staub, wie da aufgewirbelt wird.

Dann genoss ich meine fast luxuriöse Dusche und war gleich noch mal begeistert: Keine Sprinkleranlage, unter der man sich ewig drehen muss, bis man richtig nass ist, geschweige denn die ganze Seife wieder vom Körper runter hat, sondern eine richtige Dusche Das tat gut.

Bei einem Budwiser tippte ich dann den heutigen Tagesbericht und nahm mir vor, heute nicht so spät das Licht auszumachen.

Na ja, letztendlich war es dann doch wieder 23.30 Uhr.

Gefahrene Meilen: 272

Hier sind ein paar nähere Infos zu den Trona Pinnacles.