Donnerstag, 1. Juni 2023

Ich ließ mir Zeit, denn mein erstes Ziel war nur 13 Meilen entfernt – Nottoway Plantation. Hier bin ich 2017 schon gewesen, inkl. House Tour, und hatte sogar in einer der schönen Cabins übernachtet. Daher wollte ich dort auch aus „Nostalgie-Gründen“ nochmal hin. Als ich jedoch kurz vor 10 Uhr auf dem absolut leeren Parkplatz eintrudelte, schwante mir, dass da was nicht stimmt... Ich hatte im Internet zwar gelesen, dass sie nur freitags und samstags Touren anboten, aber ich ging davon aus, dass ein Besuch der „Grounds“ dennoch möglich ist. Dem war aber nicht so. Der Gift Shop, der gleichzeitig der „Eintrittsbereich“ ist, war geschlossen

Ich bisher sowieso festgestellt, dass – im Gegensatz zur Charleston / Savannah Ecke - hier doch einige der Plantagen unter der Folgen der Pandemie-Schließungen zu leiden scheinen. Von den „Kleineren“, die oft als B&B genutzt wurden, waren viele geschlossen. Der Parkplatz von Whitney war gestern nur zu einem Viertel voll. Und bei der Laura Plantation hatte ich im Vorbeifahren gesehen, dass dort auf dem Parkplatz auch weitgehend Leere herrschte. Selbst bei Oak Alley waren keinerlei Leute in der Allee, die man von der Straße einsehen kann. Das war früher ganz anders, da steppte überall der Bär.

Lediglich bei The Houmas hatte ich bis jetzt das Gefühl, dass da so viel los ist, wie es auch früher war.

Ok, also fuhr ich unverrichteter Dinge wieder davon. Zur St. Emma Plantation. Nur zum „über den Zaun gucken“, da sie „private“ ist.

Bei Belle Alliance (ebenfalls „private“) war es leider absolut nicht möglich zu halten. Die Einfahrt war so klein, dass ich wirklich genau vor dem Tor gestanden wäre und das wollte ich nicht. Da komme ich mir dann zu blöde vor.

Also nochmal rüber über die Sunshine Bridge und zur Asheland Belle Helene Plantation. Auch „private“ und nur „Fotos von der Einfahrt aus machen“, aber dort war wenigstens Platz, dass man kurz anhalten konnte.

Dann auf der Rückfahrt noch ein kurzer Halt bei der Bocage Plantation. Eigentlich ein B&B – aber auch dieses sah sehr verlassen aus.

Halb eins war ich wieder im Motel. Das Nottoway geschlossen war, damit hatte ich gar nicht gerechnet und so hatte ich nun freie Zeit. Was tun? Ich war es gar nicht mehr gewohnt, nichts zu tun.

Auch daheim habe ich nie „Leerlauf“. Seit mein Karlie nicht mehr da ist, bin ich nur noch am Rumwuschteln. Ich habe wochenlang ausgemistet, hatte den Sperrmüll da, bin zigmal zum Wertstoffhof gefahren. Es gibt keinen Zentimeter, der nicht geputzt wurde. Und als das alles fertig war kam das Projekt „Fotobuch Tour 2022“ und dann endlich „Bilder von 2017 und 2018 sortieren“. Und nun hatte ich plötzlich „nichts zu tun“.

Einige hatten mir vor meinem Urlaub gesagt, dass es nun ein total entspannter Urlaub wird, an dem ich nicht mehr ständig daran denke, wie es Karlie geht, was er macht usw. Aber das stimmte nicht. Mega Bullshit Aussage. Der Urlaub war keine Ablenkung, im Gegenteil, mir wurde ganz, ganz oft bewusst, dass Karlie nicht mehr da ist. Es ist eine Zeit, in der irgendwie noch mehr damit konfrontiert werde. Denn es fehlt nun ein Teil davon, was immer zum Urlaub dazu gehört hat.

Ich setzte mich für eine Stunde an den Pool und las. Gegen 17 Uhr fuhr ich dann nach Donaldsonville hinein – Historic Downtown. War nett. Nichts was man auf Bildern irgendwie einfangen kann bzw. wenn man sie dann später irgendwann mal betrachtet, dann kommt das alles irgendwie nicht so richtig rüber. Aber mir gefiel es.

Nach zwei Abendessen im Jambalaya Imbiss ging ich heute ins Grapevine Cafe und es war superlecker. Ich entschied mich für zwei Vorspeisen (Fried Green Tomatoes topped with crabmeat & Grilled Crab Cakes with garlic aioli) und war begeistert
Als ich später vor dem Motel eine Zigarette rauchte, hörte ich etwas "scheppern" und konnte gar nicht gleich zuordnen, was das war. Aber dann entdeckte ich den kleinen Schlawiner - direkt neben der Eingangstür vom Motel.

Und ich lag wieder um 22 Uhr in den Federn.