Variety of the South

Sonntag, 9. Juni 2024

Ich wachte kurz nach 6 auf, heute gab es keine Trödelei. Die ganze Zeit spukte mir im Kopf rum, ob ich nach dem Check-in in Acworth dann noch runter zu Alamo fahre...

Dennoch konnte ich die Fahrt durch die ländliche Gegend, abseits der großen Interstates, genießen. Es war Sonntag und wieder einmal staunte ich, was für ambitionierte Kirchgänger die Amerikaner sind: Die Parkplätze vor den vielen Kirchen waren oft proppenvoll.

Wieder ging es vorbei an Farmen, kleinen Orten usw. Ich mag „diesen Blick über den Gartenzaun“ gerne

Ich erreichte Ft. Payne, wo ich 2017 für eine Nacht war und entschloss spontan, an den Little River Falls zu halten. Dummerweise bog ich kurz vorher mal falsch ab und landete auf einer Schotterstraße zu einem Campground.
Ich drehte gleich wieder um, aber da ist es wohl passiert...

An den Little River Falls war ich verblüfft, ich hatte die mit viel, viel mehr Wasser in Erinnerung. Dafür war der Parkplatz ziemlich voll und es herrschte Ausflugsstimmung – klar, es war Sonntag.

Mein nächstes Ziel war The Old Wheel auf dem Campus der Uni in Rome. Man musste sogar an einem Eingangshäuschen vorbei und sich dort mit dem Führerschein ausweisen. Das Mädel war total begeistert, dass ich eine Touristin aus Deutschland bin. Sie wurde gar nicht fertig damit, immer wieder „wow“, „cool“, „great“ usw. zu sagen

Dann fuhr ich durch das sehr weitläufige Unigelände und dabei hörte ich es... klonk... klonk... klonk... „Blöder Stein im Profil“ ging mir durch den Kopf...

Während der Fahrt hierher dachte ich noch, dass mich nach der Falls Mill dieses Mühlenrad wohl eher kalt lässt.

Aber dem war nicht so, schön war es dort, das war wieder was ganz anderes

Als ich zurück zum Auto kam, sah ich was „Blinkendes“ auf dem rechten Vorderreifen. Ich sah genau hin: Da steckte eine hässliche große Schraube drin... Ok, damit war wohl die Entscheidung gefallen, Blacky muss getauscht werden.

Lt. Navi würde ich gegen 14.40 Uhr am Motel in Acworth sein, da konnte ich entscheiden, ob ich gleich noch runter zum Rental Car Center fahren würde. Als ich durch Rome durch fuhr war ich froh, dass ich den Ausflug dorthin gestrichen hatte, denn der Ort gefiel mir überhaupt nicht. Eine einzige Baustelle

Je mehr ich mit Atlanta näherte, desto mehr nahm der Verkehr zu. Der I75 ist in einem schlechten Zustand, viel geflickt, dadurch sehr ruckelig und dazwischen Schlaglöcher. Mein Exit war der 177. Und in der Höhe vom Beginn des Exit 178, also „eine Meile vorher“, gab es einen unheimlichen Knall Ich guckte gleich, wo da jetzt wieder was hingeflogen war – entdeckte aber nix

Aber dann fiel mein Blick auf das Armaturenbrett: Lichtorgel ohne Ende, ich hatte das Gefühl, dass alles, was es an Warnlämpchen gibt, leuchtet

Und dann merkte ich auch, dass es nur noch ein „rumpelndes Fahren“ war. Mir war gleich klar: Schraube im Reifen … das war nicht gut gegangen

Ich konnte gerade noch auf den Exit abbiegen und rumpelte mich dann langsam mit blinkenden Warnlichtern vom Interstate runter. Zum Glück war unmittelbar hinter dem Exit eine große Tankstelle. Ich stieg aus und sah, dass der rechte Vorderreifen nicht nur komplett platt, sondern auch „fransig“ war. Als wäre der Schlauch innerlich regelrecht explodiert. In der Tanke bat ich einen jungen Angestellten um Hilfe, ob er bitte bei Alamo anruft. Ich hasse es, in den USA zu telefonieren, erst recht, wenn ich innerlich aufgeregt war und das war ich… Aber er war sehr hilfsbereit, rief die Hotline an, hangelte sich durch die Menüführung und hatte dann irgendwann einen echten Menschen am Telefon. Sie sagten, dass sie die Pannenhilfe schicken würden, es würde ca. 90 Minuten dauern.

Ich saß also draußen auf der Bank, rauchte und wartete. Der junge Angestellte kam mehrfach, um sich zu erkundigen, ob es mir gut geht, ob ich was brauche usw. - ja das ist Amerika.

Kurz vor 16 Uhr kam er erneut raus und sagte, Alamo hatte ihn gerade nochmal angerufen, die Pannenhilfe würde nun in den nächsten 25 Minuten da sein. Um 16.20 Uhr kam der Pannendienst, ein Mann aus Jamaica, der meinen Platten mit „crazy“ kommentierte und dass das endlich mal was wäre, wo er wirklich gebraucht würde. (Er hatte an diesem Tag nur Einsätze bei älteren Frauen, die mit dem Auto nicht zurecht kamen …) Er montierte mir das Notrad und wir unterhielten uns noch eine ganze Weile. Mit einem Trinkgeld verabschiedete ich mich nach unserem Plausch, ging noch mal in die Tanke, um dem netten Jungen für seine Hilfe auch noch eins zu geben, und fuhr dann „wie auf rohen Eiern“ die eine Ausfahrt weiter zum Motel.

Gefühlt hab ich gar nix.. nur funktioniert. Und weil ich sonst eh nix machen kann, bin ich erstmal an den Pool. Aber ohne innere Ruhe. Später fuhr noch zum Walmart, denn ich musste mich irgendwie ablenken. Hunger hatte ich keinen, also kaufte ich nur eine Tüte Nachos und Salsa. Im Hotel schaute ich im Internet wie ich am besten nach unten zum Rental Car Center komme. Und ich klagte meinen Freunden per WhatsApp mein Leid und fragte sie um Rat bzw. um ihre Erfahrungen beim Tausch von Mietwagen. Ich schlief schlecht und war gegen 4 Uhr auch lange wach und habe gelesen. Dann bin ich aber doch nochmal eingeschlafen.